KKK7: „Über die Unfähigkeit, sich auszudrücken“

Zu unserem letzten Eintrag („Die Geschichte als Kreis“) tauchte ein Kommentar auf, den wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Er wurde anonym verfasst. Möchte sich da etwa jemand dem demokratischen Diskurs entziehen?

“?” schrieb am 26.01.:

Über die Unfähigkeit, sich auszudrücken

Eure Beiträge sind peinlich. Was wollt Ihr überhaupt sagen?

Ein Geraune sei nicht mutig genug, etwas auszusprechen? Welche verhaltenen Reaktionen erklären sich durch eine Teilnahme nach Einladung? Inwiefern kann eine Rolle zum Kopfschütteln anregen?
Die kritische Instanz sei überschätzt worden?- Merkt Ihr nicht, dass Ihr Euch hier selbst widersprecht.
Eine bloße Aneinanderreihung irgendwelcher elaborierter Phrasen macht Eure Kampfansage nicht qualitätvoller, sondern stellt neben Eurem sprachlichen Geschick auch Eure Urteilsfähigkeit in Frage.

Und wie ist der Inhalt zu verstehen?

Gerade weil sich ein Seminar als Zusammenkunft von kritischen Menschen versteht (hier die kritische Instanz), wurde doch Flaig eingeladen. Seine Ansichten sind doch genauso kontrovers wie Eure.
Aber das Schlimmste ist Euer Verständnis von Meinungsverschiedenheit und Dialog. Darf etwa nur derjenige etwas aussprechen, der Eure Meinung teilt und der Rest muss seine Ansichten überdenken, reflektieren und revidieren?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das krude und menschenverachtend ist.

Liebe*r Kommentator*in,
über die Widersprüche, die du in unserem Text ausmachst, wüssten wir gerne mehr. Vielleicht kannst du ja ein bisschen genauer beschreiben, was du meinst. Wir finden ihn schlüssig. Viel eher zu diskutieren ist unserer Ansicht nach dein Verständnis von Dialog, Meinung und Kritik.
Zum ersten erschließt sich für uns nicht, warum ein Seminar defacto eine kritische Instanz sein soll. Zumal es in diesem Fall naheliegt, dass die Teilnahme an dem Seminar ausschließlich auf Einladung erfolgen kann.
Zum zweiten möchten wir uns dagegen wehren, jegliche Ansichten, die Menschen so vertreten, völlig beliebig und blind gegen ihren Inhalt als Meinungen gleich zu setzen. Würden Prof. Flaigs “Meinungen” umgesetzt, würden sie mindestens in der strukturellen Benachteiligung bestimmter Menschen enden.
Natürlich kann (bzw. muss) man sich mit sowas auseinandersetzen, aber genau diese ernsthafte Auseinandersetzung bleibt ja aus – siehe oben.
Was uns zum dritten Punkt bringt: Du sagst, wir würden fordern, nur diejenigen, die unsere Meinung teilen, dürften etwas aussprechen. Woran machst du das fest? Wir denken, das Gegenteil ist der Fall. Wir führen einen Blog, den Leute lesen können oder eben auch nicht. Und was sich die Menschen dazu denken, bleibt am Ende allen selbst überlassen. Wir schreiben nichts vor, wir verbieten nichts, wir kritisieren nur.
Wenn dir hingegen unsere Kritik schon wie ein Verbot vorkommt, dann würden wir dir aber dennoch raten (!), da mal drüber nachzudenken. Deine These lässt sich quasi herunterbrechen auf den Satz “Ein Verbot ist alles, was mir nicht in den Kram passt.” oder auch “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!”
Über das “krude und menschenverachtend” mussten wir tatsächlich ein bisschen schmunzeln. Schön, dass du sogar ein paar mehr unserer Texte gelesen hast. Teilen tun wir den Vorwurf aber nicht.

Viele Grüße,

Leon*a Schmidt


1 Antwort auf „KKK7: „Über die Unfähigkeit, sich auszudrücken““


  1. 1 MarxFoucaultHabermasEliasGoetheCoserSimmel 06. März 2016 um 13:57 Uhr

    Liebe Kritische Uni,

    ich lese die Beiträge hier ab und an ganz gerne. Soviel dazu :)
    Ich will gar nichts zum Inhalt des Blogs schreiben, sondern nur etwas zur Anonymität, zum Kommentar von „?“ bzw. zur Reaktion auf diesen anmerken. Ich finde es mekrwürdig, dass gleich zu Beginn auf die Anonymität des Verfassers/der Verfasserin hingewiesen wird, heißt es doch unter dem Punkt „Selbstverständnis“ bei euch: „Die Anonymität soll keiner Geheimbündelei dienen, sondern soll allen Student*innen der Uni Rostock ermöglichen – so sie es wollen – aus diesem unserer Ansicht nach notwenigen Schutz heraus Kritik zu üben.“

    Die Anonymität sollte auch „?“ zugestanden werden, ohne dass eine einleitende und tendenziöse „Bemerkung“ („Möchte sich da etwa jemand dem demokratischen Diskurs entziehen?“) voran gestellt wird. Ich halte diese Bemerkung zumindest für fragwürdig, da doch alleine der Kommentar Teil des Diskurses sein kann. Gehen wir davon aus, dass „?“ Leon*as Reaktion lesen wird (Was nicht heißt, dass das Lesen Einfluss auf sein/ihr Handeln und Denken haben wird).
    Außerdem sind die hier benutzten Pseudonyme sicherlich nicht anders zu bewerten als „?“. Ich persönlich denke nicht, dass „ichmarx69″ als Ausdruck einer besonderen Diskursbereitschaft zu verstehen ist – jedefalls nicht stärker (oder schwächer) als „?“.

    Herzlichst,

    MarxFoucaultHabermasEliasCoserSimmel (Autoren, die ich mal lesen sollte)

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.