Die Geschichte als Kreis. Über Flurtalk, alte Bekannte und die Unfähigkeit zur Reflexion

Ein Geraune streift durch die Flure der Universität – nicht mutig genug, es offen auszusprechen: Egon Flaig gibt eine Lehrveranstaltung zu seiner berühmt-berüchtigten Rede zur Inklusion von 2012. Keine Bewerbungsmail, keine Flyer, kein Verweis auf der Seite der Uni Rostock, kein veröffentlichtes Datum: Teilnahme wohl nur nach Einladung – so erklären sich die verhaltenen Reaktionen.

Sollte er tatsächlich eingeladen worden sein, ist es wenig verwunderlich – geschweige denn verwerflich – wenn er die Veranstaltung hält. Es muss langweilig sein, wenn einem dank Rente keine folgsamen Studierenden mehr an den Lippen hängen, wenn man vom Untergang des Abendlandes durch barbarische Invasoren predigt.

So ist es wieder einmal die Rolle der Universität – oder wahrscheinlich die des Heinrich-Schliemann-Instituts für Altertumswissenschaften – die zu denken gibt und zum Kopfschütteln anregt. Einem Redner wie Flaig die Plattform innerhalb der Universität zu geben, dass er seine kruden, menschenverachtenden Thesen zum wiederholten Male vor Studierenden ausbreiten kann, ist schlicht peinlich. Zeugt es doch im besten (naiven) Fall davon, dass die kritische Instanz einer universitären Veranstaltung wieder einmal überschätzt wurde.

Wenn Egon Flaig seine Thesen überdacht, reflektiert oder revidiert hätte, so würde er sich gewiss nicht bereit erklären, sie in einem Seminar auszuführen. So ist der zweite, traurige Fall Tatsache, dass Prof. em. Flaig eine Plattform gegeben wird, seine Dozenten-Rollen-unterstütze Rededominanz gegenüber einem exklusiven Kreis von Studierenden auszunutzen, um ein paar Worte zu verdrehen.

Wer sich davon etwas erhofft, ist wohl selber schuld. Kann einem doch nur schlecht werden, wenn man sich fortwährend im Kreis dreht und beim Stehenbleiben das Immergleiche erblickt. Dafür muss man sich aber nicht erst mit gedreht haben.

Die Rede zum behaupteten Widerspruch zwischen Inklusion und Hochkultur findet ihr in diesem Reader zur Tagung auf Seite 47.
http://www.bildung-mv.de/export/sites/bildungsserver/bilder/logos_icons/inklusionsband1_Menschenbild_2.pdf

Ein paar Gedanken zum Text von Seiten des „Gegenkolloquiums“ können hier nachgelesen werden.
http://gegenkolloquium.blogsport.de/2014/07/02/wer-behindert-hier-wen-flaigs-inklusionsrede-gegen-inklusion/


2 Antworten auf „Die Geschichte als Kreis. Über Flurtalk, alte Bekannte und die Unfähigkeit zur Reflexion“


  1. 1 ? 26. Januar 2016 um 16:57 Uhr

    Über die Unfähigkeit, sich auszudrücken

    Eure Beiträge sind peinlich. Was wollt Ihr überhaupt sagen?

    Ein Geraune sei nicht mutig genug, etwas auszusprechen? Welche verhaltenen Reaktionen erklären sich durch eine Teilnahme nach Einladung? Inwiefern kann eine Rolle zum Kopfschütteln anregen?
    Die kritische Instanz sei überschätzt worden?- Merkt Ihr nicht, dass Ihr Euch hier selbst widersprecht.
    Eine bloße Aneinanderreihung irgendwelcher elaborierter Phrasen macht Eure Kampfansage nicht qualitätvoller, sondern stellt neben Eurem sprachlichen Geschick auch Eure Urteilsfähigkeit in Frage.

    Und wie ist der Inhalt zu verstehen?

    Gerade weil sich ein Seminar als Zusammenkunft von kritischen Menschen versteht (hier die kritische Instanz), wurde doch Flaig eingeladen. Seine Ansichten sind doch genauso kontrovers wie Eure.
    Aber das Schlimmste ist Euer Verständnis von Meinungsverschiedenheit und Dialog. Darf etwa nur derjenige etwas aussprechen, der Eure Meinung teilt und der Rest muss seine Ansichten überdenken, reflektieren und revidieren?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass das krude und menschenverachtend ist.

  2. 2 ichmarx69 31. Januar 2016 um 19:05 Uhr

    „Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, daß wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Bisher hatten die Philosophen die Auflösung aller Rätsel in ihrem Pulte liegen, und die dumme exoterische Welt hatte nur das Maul aufzusperren, damit ihr die gebratenen Tauben der absoluten Wissenschaft in den Mund flogen. Die Philosophie hat sich verweltlicht, und der schlagendste Beweis dafür ist, daß das philosophische Bewußtsein selbst in die Qual des Kampfes nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich hineingezogen ist. Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten.
    Ich bin daher nicht dafür, daß wir eine dogmatische Fahne aufpflanzen, im Gegenteil. Wir müssen den Dogmatikern nachzuhelfen suchen, daß sie ihre Sätze sich klarmachen. So ist namentlich der Kommunismus eine dogmatische Abstraktion, wobei ich aber nicht irgendeinen eingebildeten und möglichen, sondern den wirklich existierenden Kommunismus, wie ihn Cabet, Dezamy, Weitling etc. lehren, im Sinn habe. Dieser Kommunismus ist selbst nur eine aparte, von seinem Gegensatz, dem Privatwesen, infizierte Erscheinung des humanistischen Prinzips.
    […]
    Die Vernunft hat immer existiert, nur nicht immer in der vernünftigen Form. Der Kritiker kann also an jede Form des theoretischen und praktischen Bewußtseins anknüpfen und aus den eigenen Formen der existierenden Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit als ihr Sollen und ihren Endzweck entwickeln.
    […]
    Unser Wahlspruch muß also sein: Reform des Bewußtseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewußtseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, daß es sich nicht um einen großen Gedankenstrich zwischen Vergangenheit und Zukunft handelt, sondern um die Vollziehung der Gedanken der Vergangenheit. Es wird sich endlich zeigen, daß die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern mit Bewußtsein ihre alte Arbeit zustande bringt.“ Marx, Karl: MEW 1, S. 344-346.

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