Die Uni sagt Hallo – Das inszenierte Spektakel und die Schattenseiten des Studierens

Willkommen an der Uni Rostock, liebe Landflüchtige, Exilberliner*innen und Hiergebliebene. Die Uni zeigt sich auf dem Campus-Tag von ihrer besten Seite: Massig Werbegeschenke, ein paar Workshops und Hilfe beim Stundenplan gibt es ebenso, wie ein Grußwort des Rektors. Dieses lobt selbstverständlich die Vielfalt, Offenheit und Toleranz der altehrwürdigen Universität in den höchsten Tönen. Hochschulgruppen und andere Initiativen nutzen die hier gebotene Fläche, um zu präsentieren, wie man neben dem Studieren auch noch die Umwelt retten oder sich schon bald die nötigen Sporen in der Studierendenpolitik verdienen kann.
Um nicht selbst dem Modus puren Ehrenamtsmanagements und Imagepflege zu verfallen, haben wir die letzten Jahre unter anderem dafür genutzt, ein bisschen hinter die schöne Fassade zu gucken und die dort gefundenen Zustände zu veröffentlichen. Wir finden, dass auch und gerade Erstis Zugang zu solchen Informationen haben sollten, um einen realistischen Überblick zu bekommen, wo sie eigentlich gelandet sind.

Extremisten der Mitte und rechte Ideologie an der Uni Rostock
Im Oktober 2013 haben wir anhand öffentlich zugänglicher Quellen recherchiert, wie weit im historische Institut und beim Uni-Pressesprecher a.D. menschenverachtende und mitte-extremistische Positionen an der Tagesordnung sind. Die Ergebnisse wurden damals in einem Flyer veröffentlicht und können auch hier nachgelesen werden. Wer Geschichte studiert, kann ja spaßeshalber in einer Vorlesung der alten Geschichte mal nach der westlichen Hochkultur und den östlichen Barbaren fragen. Ein Egon Flaig hätte wahrscheinlich an dieser Stelle auch nicht gezögert die sogenannte Flüchtlingskrise in diesen Kontext zu rücken.

Strafanzeige für die Nestbeschmutzung
Offenbar stellte und stellt es für die Uni kein Problem dar, solche Menschen zu beschäftigen. Stattdessen gab es für uns eine Strafanzeige. So viel zur Offenheit unserer Alma Mater. Da liegt es doch auf der Hand, warum wir lieber anonym arbeiten.
Die über Flugblätter und unseren Blog formulierte Kritik reichte aus, um den Verfassungsschutz auf den Plan zu rufen. Man merke: Wer zu laut die Zustände an der Uni kritisiert, bekommt handfeste Probleme. Zugleich: wer diese Kritik anonym verfasst, darf um keinen Preis beachtet werden.

Die Uni und der Krieg
Aber immerhin gibt es an der Uni die Zivilklausel. Es gibt hier also keine Forschung zu militärischen Zwecken. Außer vielleicht hier. Oder hier , und hier. Und auch noch ein bisschen hier

Doppelmoral um Edward Snowden
Besonders zynisch ist das letzte Beispiel, bei dem es also um die Entwicklung von Überwachungssoftware für BND und Bundeswehr geht. Warum? Etwas früher im Jahr 2014 wollte die philosophische Fakultät derselben Uni Edward Snowden für sein Engagement gegen massenhafte Überwachung auszeichnen. Hier gibt es mehr zu diesem musterhaften Lehrstück über Doppelmoral, (nicht-)vor-der-eigenen-Haustür-Kehren und Antiamerikanismus.

Kritischer Blick ins Rostocker Verbindungswesen
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit, der an unsere Recherche aus dem Herbst 2013 anknüpft, war und ist die Auseinandersetzung mit Burschenschaften und anderen Studentenverbindungen. Eine erste Recherche zur Rostocker Verbindungsszene kann hier gefunden werden.
Als erster Überblick über die Schattenseiten dieser Universität soll das genügen. Noch mehr zu lesen gibt es auf unserem restlichen Blog.

Und dann auch noch Anwesenheitspflicht
Übrigens, demnächst dürfen Studierende vermutlich wieder mit einer allgemeinen Anwesenheitspflicht rechnen, erfährt mensch zur Abwechslung mal nicht von uns sondern hier (S. 32). Warum damit die Probleme, die eine (spätestens seit Bologna) fast völlig warenförmige Bildung mit sich bringt, nicht verschwinden, könnt ihr in unserem Leser*innenbrief aus der Oktoberausgabe des Heulers nachlesen.