HRO: Kritische Uni – Thema in Landespolitik

Die Norddeutsche Neueste Nachrichten haben der Kritischen Uni am 06.01.2015 die Seite 10 ihres Blattes gewidmet. Damit findet die Gruppe erstmalig seit ihrer ersten Aktion vor 1 1/2 Jahren im NNN Erwähnung. Der Artikel entfachte eine neuerliche Debatte über den Umgang mit kritischen Studierenden. Diese zieht mittlerweile Kreise bis auf Landesebene, wo sich die hochschulpolitischen Sprecher*innen der Parteien zu Wort melden.

NNN-Artikel 06.01.2015: http://www.nnn.de/mv-uebersicht/verfassungsschutz-befasst-sich-mit-anonymer-uni-gruppe-id8606146.html
NNN-Artikel 07.01.2015: http://www.nnn.de/mv-uebersicht/verfassungsschutz-sorgt-fuer-diskussionen-id8615471.html


Oberflächliche Berichterstattung
In ihrem Kommentar zur aktuellen Debatte, äußert sich die Kritische Uni ironisch beißend. Frank_a Schmidt kommentiert: „Es ist traurig zu sehen, dass alle etwas zu sagen haben, sich jedoch niemand traut mit den Inhalten unserer Aktionen auseinanderzusetzen“. So kritisiert die Gruppe, dass obwohl Kontakt zur Verfasserin des Artikels in der NNN bestand, kontextlos und aussageverfälschend zitiert worden sei, sowie alle Geschlechtsspezifika in männliche verkehrt worden seien. Stattdessen würden Fakten vermieden und gut belegte Tatsachen relativiert. „Unsere jüngsten Veröffentlichungen zur Studentenverbindungsszene sollten hinreichend dargelegt haben, dass dort rechte Tendenzen vorherrschen. Deshalb muss sich jeder Dozent, der in einschlägigen Häusern Vorträge hält, der Kritik stellen“, äußert sich Frank_a Schmidt.

Keine Inhalte
Statt sich mit konkreten Nachweisen und Kritikpunkten auseinanderzusetzen, lässt sich nun auch der AStA zur Kritischen Uni zitieren. Man wisse nicht, ob aus Eigeninteresse oder zur Verbesserung der Lehre gehandelt würde. In ihrem Kommentar kann die Kritische Uni diese Aussage offenbar kaum ernst nehmen. Frank_a Schmidt: „Als eines der wichtigen Gremien der Universität Rostock, hätten wir vom AStA erwartet, dass er mehr als opportunistische Phrasen klopft. Doch stellt sich uns die Frage umgekehrt- kann der AStA eine Verbesserung der Lehre im Auge haben, wenn er sich mit Kritik nicht befassen möchte“.

Diskurs als grundlegendes Prinzip
Dem AStA zu Folge sei Diskurs das grundlegende Prinzip einer jeden Hochschule. „Das ist offenkundiger Idealismus. Ich meine, dass wir seit 1 1/2 Jahren das Gegenteil beweisen. Diskurs besteht aus mindestens zwei Parteien, die daran teilnehmen“, kommentiert die Pressesprecher*in der Kritischen Uni. Die kritische Gruppe von Studierenden sieht sich jedoch nicht mit Argumenten, sondern Repressalien konfrontiert. Seit einiger Zeit gibt es eine neue Pressesprecherin der Uni Rostock, Jana Powilleit. Sie bemängelt im NNN-Artikel die nicht mögliche Kommunikation mit der Kritischen Uni, da diese anonym agiere. Frank_a Schmidt zeigt sich verwundert: „Wir können uns an keinen Kontaktversuch erinnern. Sie ist natürlich herzlich dazu eingeladen“.

Kriminalisierung
Die einzigen Kontaktversuche von offizieller Seite lesen sich wie Aufforderungen, sich endlich zu stellen. So gibt es mittlerweile eine Historie von Anzeigen und Vorwürfen. Begonnen hat es mit der Anzeige gegen Unbekannt aufgrund des Corporate Design im Logo der Gruppe, wurde mit Aufforderungen einiger Fakultäten, die Anonymität aufzugeben, fortgesetzt, die jedoch immer mit neuerlichen Straftatbeständen gespickt waren, bis zur Beobachtung im aktuellen Verfassungsschutzbericht. Dazu Frank_a Schmidt: „Diese Taktik hat System. Wenn der Diskurs auf mögliche Ordnungswidrigkeiten und Straftaten gerichtet wird, fragt keiner mehr nach den Inhalten. Was Meinungsfreiheit an der Uni Rostock bedeutet, haben wir im Zusammenhang mit Edward Snowden bereits aufgezeigt“.

Diskurs
Die zuweilen polemische Replik der Kritischen Uni muss als Forderung nach einer tatsächlichen Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Kritikpunkten verstanden werden. „Auch wenn es offiziell niemanden interessiert, was wir vorbringen, sehen wir doch, dass im Hintergrund einiges passiert. Ich frage einmal offen: Wo ist der ehemalige Pressesprecher Ullrich Vetter?“, lässt sich Frank_a Schmidt schmunzelnd zitieren. Es bleibt offen, ob jetzt, wo der Diskurs auf Landesebene angekommen ist, auch über Inhalte gesprochen werden kann.