Veranstaltung: 1914 – Der Wille zum Krieg

Der Freiburger Historiker Prof. Wolfram Wette spricht am Freitag, 4. Juli, um 19 Uhr in der Aula der Volkshochschule, Am Kabutzenhof 20 A, über den Ersten Weltkrieg und die deutsche Kriegsschuld. Unten sein Ankündigungstext. Die Veranstaltung wird vom Rostocker Friedensbündnis, der DFG-VK-Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg und der Volkshochschule der Hansestadt Rostock in Kooperation mit weiteren Partnern ausgerichtet. Der Eintritt ist frei.

Am Historischen Institut gewinnt die revanchistische These, dass der Erste Weltkrieg nicht maßgeblich von dämlichen deutschen nationalistischen autoritären militaristischen Adligen und BildungsbürgerInnen vom Zaun gebrochen wurde, immer mehr an Einfluss. Statt dessen soll der Erste Weltkrieg ein dummer Betreibsunfall sein, für den am allerwenigsten die Deutschen was könnten.

Nun findet in Rostock eine Veranstaltung statt, die sich mit diesem rechten Müll kritisch auseinander setzt- selbstverständlich nicht in den Räumen unserer Universität, an der laut Rektor Schareck rechtes gedankengut überhaupt kein Problem sei. Deshalb sei hier auf eine erfrischende Veranstaltung zum Thema hingewiesen.

Hier der Ankündigungstext der VeranstalterInnen:

1914 – Der Wille zum Krieg
Vortrag von Professor Dr. Wolfram Wette, Historisches Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., Historiker und freier Autor, Mitbegründer der Historischen Friedensforschung

am Freitag, 4. Juli 2014, 19 Uhr, in der Aula der Volkshochschule der Hansestadt Rostock, Am Kabutzenhof 20 A

100 Jahre nach dem Weltkriegsbeginn 1914 ist die sogenannte „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ in aller Munde. Alte Legenden treten in neuen Gewändern auf. Wiederum werden die seit jeher politisch hochbrisanten Fragen erörtert: Wer war schuld an diesem Weltkrieg? Waren es strauchelnde Politiker und Militärs aus allen europäischen Hauptstädten, die das Krisenmanagement nicht beherrschten und die wider Willen in den Krieg oder in das „Menschenschlachthaus“ (W. Lamszus) „hineingeschlittert oder besser getaumelt oder gestolpert“ sind? So hat es der liberale britische Politiker David Lloyd George im Dezember 1920 ausgedrückt. Sein Diktum wurde damals von den Deutschnationalen und später von den Nationalsozialisten begierig aufgenommen, ließ es sich doch bestens in Sinne der deutschen Kriegsunschuldspropaganda verwenden.

Neuerdings will uns der australische Historiker Christopher Clark Ähnliches nahe bringen. In seinem Bestseller behauptet er, es seien „Schlafwandler“ gewesen, die ganz Europa in den Krieg geführt hätten. Sie seien gleichsam nicht bei Sinnen gewesen und daher auch schuldunfähig. Das entlastet natürlich die deutsche Seele, auf der die unabweisbare Schuld am Zweiten Weltkrieg und die Hauptverantwortung für den Ersten liegt. Aber hält die alt-neue These auch den Fakten stand? Steht uns ein neuer Historikerstreit ins Haus? Oder bleibt der notwendige Streit aus wegen des großen zeitlichen Abstands und des Desinteresses der Jüngeren?