Anklage gegen Dr. Schweisfurth belegt Unterfinanzierung der Uni Rostock

Ein Fall von besonders kreativer Drittmittelbeschaffung am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Uni Rostock beschäftigt gerade die Staatsanwaltschaft, die Landespolitik und den NDR. Ausgerechnet Dr. Tilmann Schweisfurth, der auch der Präsident des Landesrechnungshofes in Schwerin ist, wird Untreue und Betrug vorgeworfen. Neben „Unklarheiten“ bei Hotelübernachtungen nach Gastvorträgen bei Tagungen und Familienfahrten im Dienstwagen soll Schweisfurth seine sechs Landesmitarbeiter zum Klausuren korrigieren abkommandiert haben. Dabei sollen Arbeitsstunden im Gegenwert von 14.000 Euro zusammen gekommen sein. Der Landesrechnungshof, wo Schweisfurth der Boss ist, behauptet, Öffentlichkeitsarbeit sei auch Aufgabe des Landesrechnungshofes. Und deshalb sei es absolut in Ordnung, wenn Landesrechnungshofs-MitarbeiterInnen in ihrer Arbeitszeit Klausuren der Uni Rostock durchsähen. Der Generalstaatsanwalt Trost hingegen sagte dem NDR: „Schweisfurth hat sie nur eingesetzt, um seine Chancen auf eine Honorarprofessur zu erhöhen“.

Egal wie nun das politische und juristische Hickhack um den Fall ausgehen mag, kommen darüber mindestens zwei über die medialen Berichterstattung hinausreichende Fragekomplexe in den Sinn. Zum einen fragt man sich unwillkürlich, ob die Leute in der Volkswirtschaft aus Geldnot auf dem Boden sitzen müssen. Ein Arbeitspensum von sechs wissenschaftlichen Hilfskräften, das allein an einem Lehrstuhl zur Durchsicht der Klausuren zu fehlen scheint. Einmal angenommen, bei Herrn Dr. Scheisfurth handelt es sich um einen gewöhnlichen mäßig engagierten Behördenleiter, der nicht ständig auf dem Golfplatz sein Handycap verbessert (was in MV leider nicht ausgeschlossen ist…), dann dokumentiert dieser Fall von besonders kreativer Drittmitteleinwerbung absolut beispielhaft die Unterfinanzierung der Uni Rostock. Und wenn ein Dozent offenbar erwarten kann, dass die kreative Umwidmung von Sachmitteln (als was Personal betriebswirtschaftlich gilt) am Rande der Legalität die Chancen auf eine feste Anstellung an der Uni erhöht, stellt sich die Frage, was für Leichen da noch so im Keller liegen…

Zum anderen fragt man sich, was da im Landesrechnungshof los ist. Finden das echt alle völlig normal, dass sie in ihrer Arbeitszeit Klausuren von Studierenden korrigieren müssen? Und falls Nein: Warum machen scheinbar doch alle mit? Was für ein Arbeitsklima muss da herrschen, wenn der Chef einem mecklenburgischen Gutsherren gleich die Arbeitsinhalte völlig willkürlich setzen kann, ohne das eine aufmuckt? Diese Überlegung leitet dann zu der Frage über, wie viele der MitarbeiterInnen in Rostock studiert haben, und ob das Studium hier nicht auch perfekt auf solche Umstände in der Arbeitswelt vorbereitet.

Mehr Infos:
NDR-Bericht mit Schweigfurters Verteidigung:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/media/nordmagazin21503.html

NDR-Bericht mit dem Statement des Rostocker Generalstaatsanwaltes Trost:
http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/schweisfurth117.html