Uni Rostock verstößt mal wieder gegen die Zivilklausel

Die Uni Rostock hat sich in ihrer Grundordnung mit einer sogenannten Zivilklausel darauf verzichtet, keine militärischen Forschungsprojekte durchzuführen. Einem NDR-Bericht zufolge verstieß die Universität Rostock in den Jahren 2011-2013 gegen ihre eigene Zivilklausel. An der Fakultät für Maschinentechnik und Schiffsbau sei in diesen Jahren ein Forschungsprojekt zum Aufspüren von Seeminen vom deutschen Militär mit 330.000 Euro unterstützt worden. Laut dem damaligen Pressesprecher der Uni, Ulrich Ben Vetter, sei das kein Problem für die Zivilklausel, da das Projekt ein „humanitäres Vorhaben“ sei.

Inhumaner Blödsinn
„Wer glaubt, dass das Suchen von Minen ein „humanitäres Vorhaben“ sei, der glaubt auch, dass die Bundeswehr die größte Friedens- und Hilfsorganisation des Kontinents ist“ kommentiert dies Frank_a Schmidt, Sprecherin der Studierendeninitiative „Kritische Uni“ an der Universität Rostock. Das Legen und Räumen von Minen dienen den Militärs dazu, die Beweglichkeit einer Gegner_in einzuschränken und die eigene Beweglichkeit zu erhöhen. „Minen räumen ist also im Clausewitzschen Sinn elementarer Bestandteil der Kriegsführung“ so Frank_a weiter. Es sei völliger Quatsch, sich einzureden, dass Militärforschung irgendetwas mit humanitären Vorhaben zu tun habe.

Militärs sind zum Töten da
Militärforschung diene laut Schmidt dazu, die Handlungsspielräume und Möglichkeiten des Militärs zu erweitern. „Und egal wie nett sich ein Militär auch aktuell geben mag und wie viele „humanitäre Hilfseinsätze“ sie gerade angeblich machen: Armee sind immer ein Herrschaftsinstrument, zur Durchsetzung privilegierter Interessen in Gesellschaften“. Das es im demokratischen Regime zumindest im Inland gerade relativ gut mit sogenannten „soften Herrschaftstechniken“ gelänge, die subalternen Schichten ruhig zu halten, ändere nichts daran, das ein Militär im Zweifeksfall dafür da sei, nervige Leute einfach „abzuknallen“. „Im Flussbett des Kunduz-Flusses kann man sehen, was die Tätigkeit der deutschen Militärs bedeutet“ analysiert Schmidt.

Ständige Verstöße gegen die Zivilklausel?
Das Minenprojekt ist nicht der einzige dokumentierte Verstoß gegen die Zivilklausel in Rostock. Auch die Uni-Medizin kümmert sich nicht um ihre eigenen Regeln. So unterstützt die Medizinische Fakultät die Deut­schen Ge­sell­schaft für Wehr­me­di­zin und Wehr­phar­ma­zie (DGWMP). Die­ser Ver­band der mi­li­tä­ri­schen Sa­ni­täts­of­fi­zie­re be­fasst sich damit, dafür zu sor­gen, dass Sol­da­tIn­nen mög­lichst lange und im Fall der Fälle wie­der schnell „Einsatz­be­reit“ sind. Im Oktober 2013 veranstaltete diese Gesellschaft einen Kongress in Rostock. Und aus­ge­rech­net auf die­sem Kon­gress zur Unterstüt­zung von Kriegs­füh­rung hält laut Pro­gramm trotz Frie­dens­klau­sel der Dekan der Me­di­zi­ni­schen Fa­kul­tät, Prof. Dr. Emil Chris­ti­an Reisinger ein Gruß­wort. Dar­über hin­aus fun­giert der Ärzt­li­che Vorstand und Vor­stands­vor­sit­zen­de der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ros­tock als einer der wis­sen­schaft­lichen Lei­ter des Kon­gres­ses. Er ist Mit­glied der Jury für wis­sen­schaft­li­che Bei­trä­ge in Form von Pos­tern, die wäh­rend des Kon­gres­ses in einer Aus­stel­lung von Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler_innen prä­sen­tiert wer­den, und mo­de­riert den Ta­gungs­punkt „Ein­satz­re­le­van­te The­men aus der Akut­me­di­zin“.
http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/11/11/die-friedensklausel-und-konsequenz/

Geheimniskrämerei
Das solche Verstöße gegen die Zivilklausel selten aufgedeckt werden, liegt auch an der Informationspolitik der Uni Rostock. Bis 2010 zwang die Opposition im Landtag die Universität über den Umweg des Bildungsministeriums mittels des Instrumentes der „Kleinen Anfrage“, offen zu legen, welche Militärforschungen trotz Friedensklausel an unserer Uni betrieben werden. Seit 2010 sind diese Infos nun auf einmal „geheim“. „Auf der einen Seite reden Pressesprecher und Rektor ständig von „Transparenz“ und „offenen Diskurs“. Aber wenn man genauer hinschaut, entlarvt sich dass alles als propagandistisches Blabla“. solidrostock.blogsport.de/2011/10/14/pressemitteilung-das-staatsoberhaupt-des-drittgroessten-ruestungsexporteurs-eroeffnet-das-neue-studienjahr-in-rostock/

Doppelmoral hat System
Auch die in diesen Beispielen zum Ausdruck kommende Doppelmoral hat an der Uni Rostock System. So versucht die Philosophische Fakultät zur Zeit, den „Whistleblower“ Edward Snowden mit einem Ehrendoktor zu würdigen, während die Verantwortlichen im universitären Alltag zu Zensur und Überwachung schweigen ( http://kritischeunihro.blogsport.de/2014/01/20/flugblattaktion-zur-snowden-debatte/ ). Ein weiteres Beispiel für die zur Schau gestellte Doppelmoral lieferte Rektor Schareck im November in der Ostseezeitung ab. Schareck schaffte es, in einem Atemzug, von der Wichtigkeit von Meinungsfreiheit und eines offenen Diskurses an der Uni zu schwärmen, und gleichzeitig die angelaufene Strafverfolgung gegen Studierende, die rechte Statements einiger Profs mittels Flugblatt kritisierten, zu verkünden.

Uni-Alltag bedeutet Lernen fürs Leben als demokratische Funktionselite
„Einen derart gechillten Umgang wie mit der Zivilklausel würden sich viele Studierende auch bei den Prüfungsordnungen wünschen“ kommentiert Frank_a Schmidt. „Hier an der Uni Rostock lernen wir fürs Leben. Wir lernen, dass in herrschaftsförmigen Gesellschaften Regeln, Gesetze und Abmachungen für die mächtigere Seite in der Praxis total egal sind“. Lediglich als befriedende Legitimationen des eigenen Handelns gegenüber weniger privilegierten spiele das Recht im demokratischen Herrschaftsregime eine gewisse ideologische Rolle, so Schmidt weiter „Das sind Erkenntnisse, die z.B. für Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften als angehende demokratische Funktionselite sehr nützlich für ihre späteren Aufgaben beim Management von Herrschaft sind.“

Mehr Infos:

NDR-Bericht mit dem unhumanen Humanitäts-Statement Ulrich Vetters

Selbst der Tagesspiegel findet Vetters Humanitäts-Blabla unglaubwürdig

An der Rostocker Medizin-Fakultät hält man auch nicht viel von der Zivilklausel

Hintergrundinfo: Extremismus der Mitte. Rostocker Profs und der rechte Rand

Hintergrundinfo: Ehrendoktor für Snowden? Zensur und Überwachung an der Uni Rostock


3 Antworten auf „Uni Rostock verstößt mal wieder gegen die Zivilklausel“


  1. 1 tut nix zur Sache 03. Juni 2014 um 11:29 Uhr

    Erst einmal: welcher Vollhorst schreibt hier auf diesem Blog diesen linksextremen, geschwubbelten Blödsinn? Wohl zu viel Dope geraucht und Pasifisten-Lieder geträllert…
    Klar natürlich, wir könnten alle in unserer heilen rosa Welt leben wenn wir – am besten sofort – alle pöhsen Waffen und alles Militär abschaffen! Fangen wir doch gleich in D und der EU an! Dann haben wir erstmal schön Geld locker für mehr Sozial :) und dann warten wir ein paar Jährchen und dann bin ich mal gespannt wie lange sich das irgend ein an die Macht geputschter nahost Diktator oder vielleicht auch (weil die Gelegenheit so günstig ist) Putin-Nachfolger, die Situation ausnutzt und mal hallo sagt :D was machen wir dann? Achja soweit haben wir nicht gedacht und überhaupt, wird ja nie im Leben mehr passieren ^^ oder „was gehts mich an, bis dahin hatte ich n tolles Leben und hab mich tot-gekifft..“
    Weiter so mit dieser geilen Meinungsmache auf „kritischeunihro“ ihr seid die Besten!

  2. 2 Spaltpilz 09. Juni 2014 um 12:08 Uhr

    …tut nix zur Sache 03. Juni 2014 um 11:29 Uhr

    oje, so kaltkriegsalt oder so jung, dass mit völliger ahnunglosigkeit beschlagen so ein textlein als linksradikal betrachtet wird… oder bei papi die tollen sprüche aufgeschnappt, wie man in den 1950igern mit gekauften und erpressten zeugen und staatsschutz die ganzen blöden pazifisten, welche auch noch von der einheit deutschlands gefaselt haben, elegant als „kommunisten“ ins gefängnis geschoben hat… na ja, kann man in den rosademokratisch gefärbten schulbüchern und politischen bildungspostillen natürlich nicht finden, und dazu forschen traut sich auch keiner… möge man sich die akten seiner vorfahren schicken lassen, und die orte in süd, west oder ost besuchen, wo ihre knochen liegen bzw. die knochen derer, die sie über den haufen geschossen haben, und dann sollte das gehirn langsam wieder in gang kommen…

    jeder tote bundeswehrsoldat ist heute opfer apathischer und unfähiger außenpolitik (und einer weithin orientierungslosen, akausal dahinschwebenden politischen Wissenschaft, welche in Deutschland völlig dominiert). würde man alle mitarbeiter des auswärtigen amtes fristlos entlassen, welche formal für die länder zuständig waren, in denen die bundeswehr später „ganz überraschend“ was zu ordnen hatte, und gingen alle in den knast, die vorher ihren finanziellen schnitt mit den späteren böslingen gemacht haben, wäre die situation, armee wieder als politisches mittel hinterherzuwerfen ggf. obsolet…

  3. 3 Hubertus 18. Juli 2014 um 18:27 Uhr

    Was soll denn „Frank_a“ sein – ein Name etwa?

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