KKK5: „Durch eure Krawall-Aktion macht ihr es anderen politischen Playern in der Uni schwer, sich zu dem Thema zu engagieren!“

KKK5: Nach den „Snowden-Enthüllungen“ wollen wir mit unserer Serie „Kritische Kritik-Kritiken“ weiter machen. Mit der mehr­tei­li­gen Ar­ti­kel­se­rie wol­len un­se­re Ak­ti­on „Ex­tre­mis­mus der Mitte“ öf­fent­lich aus­wer­ten. Im fünften Teil gehen wir auf folgenden Einwand ein:„Durch eure Krawall-Aktion macht ihr es anderen politischen Playern in der Uni schwer, sich zu dem Thema zu engagieren!“

Platzhirsche betroffen?
Wo bitte ist das Verteilen von Flugblättern mit belegten Fakten bitte „Krawall“? Eine langweiligere Aktionsform als das Verteilen von Flugblättern gibt’s kaum. Darüber hinaus lässt dieser Einwand einen gewissen spätpubertären RevoluzzerInnen-Beißreflex bei einigen von uns anspringen. Das Problem des „Extremismus der Mitte“ besteht seit Jahren . Und seit Jahren scheint sich da nichts zu tun (also zumindest wir haben bisher von keiner anderen Seite ein Engagement dagegen wahrnehmen können…). Einige von uns fragen uns, ob das obige Argument nicht einfach ein Zeichen dafür sein könnte, dass sich da Platzhirsche von Newcomern auf die Füße getreten fühlen.

Alles noch schlimmer?
Aber vielleicht liegt das auch gar nicht daran, dass aus den verschiedensten Gründen politische Auseinandersetzungen in der Rostocker Uni über die Kulturelle Grammatik tabuisiert werden und sie deshalb nicht stattfinden, sondern wir bemerken das Engagement anderer Leute einfach nicht. In diesem Fall kann es natürlich durchaus sein, dass sich andere engagierte Menschen z.B. Verdächtigungen z.B. bezüglich einer Komplizenschaft mit unserer Aktion gefallen lassen mussten. Falls das der Fall sein sollte, trifft die Kritik an unserem Verhalten natürlich zu. Aber auf der anderen Seite würde das auch belegen, dass das gesellschaftliche Klima an unserer Universität noch weiter ins Autoritäre gerückt ist, als von uns bisher behauptet. Wenn an unser Uni schon eine offen Kultur der Verdächtigungen und des Misstrauens gegenüber sich irgendwie emanzipatorisch engagierenden Menschen besteht, dann ist es doch erst recht allerhöchste Eisenbahn, dass es richtig in der Kiste rappelt. Ganz ehrlich: Dann ist unsere Aktion tatsächlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und es müsste viel doller langfristig in der Kiste rappeln.

Keine perfekte Aktionsform?
Welche Beschreibung der Realität nun zutreffen mag, können wir nicht abschließend sagen. Allerdings sind wir der Meinung, dass es die eine wahre richtige perfekte Aktionsform nicht gibt. Die Wahl einer Aktionsform ist immer kontextabhängig. Zum Kontext gehört auch, das die Betroffenen einer Situation selber wählen müssen, auf welche Art und Weise sie eine für ihr Anliegen angemessene Kommunikationsform wählen, und zu was sie sich überhaupt auf welche Art und Weise äußern. Deswegen würden wir nie auf die Idee kommen, unsere Formensprache als das Ideal auch für das politische Engagement anderer Leute vorzuschreiben. Wir glauben auch, dass das gar nicht schlimm ist. Im Gegenteil: Diskursive Herrschaft ist zwar total, aber nicht allumfassend. Der Entwicklung von Diskursen ist so chaotisch und nicht perfekt zu kontrollieren, dass es sogar sehr viel Sinn macht, zu versuchen, diesen aus unterschiedlichen Positionen mit unterschiedlichen Mitteln in einem emanzipatorischen Sinne zu beeinflussen. Wir glauben, dass sich diese vielen kleinen Interventionen letztlich gegenseitig stärken, auch wenn es zunächst nicht den Anschein haben mag.

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