Rechte Ideologie kein Problem an der Uni Rostock?

Nach OZ-Recherche positionieren sich Rektor Schareck und der AStA zum „Extremismus der Mitte“

Am 11.12.13 berichtete die Ostseezeitung mit der Headline „Strafanzeige: Studenten stellen Uni-Dozenten in die rechte Ecke“ über eine Flugblatt-Aktion an der Uni Rostock. In den ersten Wochen des Wintersemesters hatten Studierende mit Flugblättern auf die rechten Positionen von Dozierenden besonders am Historischen Institut aufmerksam gemacht. Mittels Flugblatt und Blog verwiesen sie auf ethnopluralistische Texte, zeigten Verbindungen zu Burschenschaften auf und kritisierten das Propagieren der Extremismustheorie.
Für genauere Infos: http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/10/14/extremismus-der-mitte-rostocker-profs-und-der-rechte-rand/


Berichterstattung in der Ostseezeitung
Der OZ-Artikel ( http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Uni/Strafanzeige-Studenten-stellen-Uni-Dozenten-in-die-rechte-Ecke ) erwähnt die Namen der kritisierten Profs, geht aber nur pauschal auf die detailliert belegten Vorwürfe ein. Die im OZ-Artikel aufgegriffenen studentischen Widerworte gegen die Aktion stammen aus den Kommentarspalten des Blogs der Kritischen Uni. „Wir haben uns dazu entschieden, auf unserem Blog andere Meinungen nicht einfach unsichtbar zu machen“ sagt Frank Schmidt dazu. „Im Gegensatz zu unseren Profs können wir uns mit Kritik offen auseinandersetzen und erstatten nicht gleich Strafanzeige“. Dabei verdienen die veröffentlichen Statements des Uni-Rektors Schareck und die des AStA-Vorsitzenden eine genauere Betrachtung.

Kein Dementi vom Rektor
So ist Rektor Scharecks Statement deutlich vorsichtiger als das seines Pressesprechers. Hatte der u.a. wegen seiner Rolle in der Rostocker Presselandschaft zur Zeit des Pogroms von Lichtenhagen kritisierte Ulrich Vetter gegenüber dem „Neues Deutschland“ noch getönt, dass gleich »meh­re­re Straftatbestän­de« in Be­tracht kämen. So hört sich das in der OZ nun so an: „Die Universität hat Strafantrag eingereicht, da sowohl Persönlichkeitsrechte wie Urheber- und Markenrechte verletzt sein könnten“. Kein Wort mehr von „Beleidigung“ oder „Übler Nachrede“ oder „Behauptung unwahrer Tatsachen“. Frank Schmidt, Sprecher der Gruppe Kritische Uni kommentiert dies so: „Offensichtlich ist den Verantwortlichen mittlerweile aufgefallen, dass die Vorwürfe belegt sind und der Wahrheit entsprechen“.

Rechte Ideologie an der Uni Rostock kein Problem?
Folgerichtig dementiert Rektor Schareck die Vorwürfe im ganzen Artikel auch nirgends als unwahr. Laut OZ-Artikel heißt es von Rektor Schareck: „Innerhalb der Hochschule werde es keine weitere Aktivität geben.“ und „Anonyme Beschuldigungen seien kein hinreichender Grund tätig zu werden.“. Frank Schmidt dazu: „Schön das wir das jetzt schriftlich haben. Rassismus, Autoritarismus, rechte Kontakte und als Wissenschaft getarnte Diskreditierung jeglicher sich nicht mit dem Status quo abfindender Politik sind kein Problem an der Uni Rostock, solange man sie mit Schlips und Krawatte in ein bildungsbürgerliches Gewand packt. Im Gegenteil: Man kann damit sogar Karriere machen, wie die von uns dokumentierten Beispiele zeigen.“

Positionierung des AStA
Interessant ist auch das Statement des AStA-Vorsitzenden Clemens Schiewek.
Der AStA hatte bereits am 29.11.13 in einem offenen Brief Stellung bezogen. Darin vermeidet der zwar eine Distanzierung von der Aktion, geht aber auch sonst inhaltlich nicht auf die Vorwürfe ein. Statt dessen wird die Unileitung dafür kritisiert, dass sie keine Position zu den Vorwürfen beziehe und der Pressesprecher ausgerechnet der „Jungen Freiheit“ ein Statement gegeben habe. ( http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/12/03/asta-schreibt-offenen-brief/ ). Analog zum offenen Brief sagt der AStA-Vorsitzende der OZ, dass der AStA das Interview Vetters mit der „Jungen Freiheit“ kritisiere. Aber zur Kritik an den Dozierenden will er sich auch weiter nicht äußern: „Wir können nicht differenzieren, was von den Vorwürfen stimmt“. Frank Schmidt dazu: „Doch genau dies ist Aufgabe des AStAs. Wenn schon das Rektorat, das Historische Institut und die Presseabteilung in der Verbreitung rechter Ideologien an der Universität kein Problem erkennt, sollte dies wenigstens der AStA tun.“

Mehr Infos:

Der Text der verteilten Flugblattes einschließlich der Quellenbelege:
http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/10/14/extremismus-der-mitte-rostocker-profs-und-der-rechte-rand/

Der Offene Brief des AStAs:
http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/12/03/asta-schreibt-offenen-brief/

Der OZ-Artikel vom 11.12.2013
http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Uni/Strafanzeige-Studenten-stellen-Uni-Dozenten-in-die-rechte-Ecke

und als Grafik:
OZ 11.12.13

Das Neue Deutschland am 11.11.2013 über die Aktion:
http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/11/13/neues-deutschland-berichtet-ueber-den-rostocker-extremismus-der-mitte/


2 Antworten auf „Rechte Ideologie kein Problem an der Uni Rostock?“


  1. 1 2 Veranstaltung zur „Neuen Rechten“ « Kritische Uni Rostock Pingback am 16. Januar 2014 um 3:19 Uhr
  2. 2 Kommentar zur Asta-Veranstaltung „Rechte Intelektuelle und die neue Rechte“ « Kritische Uni Rostock Pingback am 03. Februar 2014 um 17:50 Uhr
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