Antwort an Bunt statt Braun

Thorsten Sohn, Wichtigmensch bei der Initiative Bunt statt Braun, hat uns eine interesante E-Mail geschickt. Diese und unsere Antwort wollen wir der Öffentlichkeit nicht vorenthalten:

Sehr geehrter Herr Sohn,
vielen Dank für Ihre E-Mail.

Sie sind also der Meinung, wir könnten uns nicht beklagen.
Sie und ihre Initiative engagieren sich gegen Rechts, und Sie finden es nicht beklagenswert, wenn Dozierende offen als Burschenschaftler auftreten? Sie engagieren sich für Völkerverständigung und finden es nicht problematisch, wenn ein offener Revisionist die Uni-Veranstaltungen zum „Zweiten Weltkrieg“ und zum „Nationalsozialismus“ durchführen darf? Sie engagieren sich gegen Rassismus und finden es nicht beklagenswert, wenn ein Dozent seine Veranstaltungen für die Progagandierung von Ethnopluralismus nutzt? Und sie halten es auch nicht für notwendig, genauer hinzuschauen, wenn Doziernde mit der unwissenschaftlichen Extremismustheorie jegliches Engagement für Freiheit, Gleichheit und Solidarität verteufeln?

Wir haben uns unseren Blog noch einmal angeschaut.
Wir konnten dort leider keine „undiffernzierten“ „konstruierten“ Thesen“ finden.
Im Gegenteil. Unter der folgenden Adresse http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/10/14/extremismus-der-mitte-rostocker-profs-und-der-rechte-rand/ haben wir sechs Personen genannt. Zu jeder dieser sechs Personen gibt es einen kleinen Infotext mit einer sehr gezielten, genau umrissenden Kritik. Dahinter folgen dann Belege zu öffentlich zugänglichen Quellen. Sind Sie sicher, dass Sie sich mit ihrem Feedback an die richtige Adresse gewendet haben?

Oder meinen Sie unsere Vorhaltung an Herr Wensierski?
Was an unsererm Einwand, das sich Herr Dekan Wensierksi dem Vorwurf einer Doppelmoral aussetzt http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/11/19/uni-rostock-snowden-ehren-studierende-verfolgen/ , wenn einerseits Herr Snowden geehrt wird, während gleichzeitig am HI kritische Studierende kriminalisiert werden, finden sie „konstruiert“ oder „undifferenziert“? Sogar der ZEIT sind ähnliche Gedanken schon gekommen, wie Sie hier sehen können: http://www.zeit.de/studium/hochschule/2013-11/edward-snowden-ehrendoktor-kommentar

Und dann zu ihrer These, das Vorwürfe von Universität und Studierenden gemeinsam geprüft werden müssten.

Wir verweisen da auf unser Selbstverständnis. http://kritischeunihro.blogsport.de/2013/10/10/warum-kritische-uni/#more-3 Dort finden Sie detailierte Informationen, warum wir uns für unsere Aktion entschlossen haben. Einer der dort dokumentierten Gründe ist das jahrelange Bestehen dieser Probleme, und die kollektive Nichtverantwortlichkeit der Uni-Gremien dieser Thematik gegenüber. Und bevor sie jetzt wieder behaupten, das sei nicht belegt, schauen Sie bitte genau hin: Der Heuler, Ausgabe 4/2013 widmet sich dieser Thematik auf Seite 37.

GEMEINSAM und MITEINANDER?
Darüber hinaus haben wir uns gefragt, was das für ein sonderbarer Tick ist, dass sie die Worte „gemeinsam“ und „miteinander“ in Kapitälchen schreiben. Das sieht ja fast so aus, als ob Sie diesen Wörtern eine magische Kraft der Veränderung zuschreiben würden. Falls dem so ist, müssen wir Sie leider enttäuschen. An der Uni Rostock scheint das nicht zu funktionieren. Wie Sie dem obigen Absatz entnehmen konnten, klappt dort das „miteinander“ nicht, weil die Gremien die seit Jahren bekannten Missstände einfach ignorieren. Und von Gemeinsamkeit kann auch nicht die Rede sein, wenn die institutionell mächtigere Seite in Konflikten wie selbstverständlich mittels Anzeige die Staatsmacht zur Bekämpfung von KritikerInnen einschaltet, statt sich der Auseinandersetzung zu stellen. Das Zelebrieren von Miteinander und Gemeinsamkeit hat in asymetrischen Gesellschaften, in denen einige wenige privilegierten Zugriff auf geselschaftliche Ressourcen haben, wenig Emanzipatorisches. Im Gegenteil: Wenn Sie sich einreden, sie hätten mit den Mächtigen etwas gemeinsam und könnten miteinander etwas bewirken, verschleiern Sie nur die ungleich verteilten Machtmittel. Aber beim Abgreifen von Spenden und Fördergeldern hilft eine derartige Rhetorik natürlich.

Vergeigt?

Auch Ihre Wahrnehmung, wir hätten es „vergeigt“, können wir leider nicht teilen.
Im Gegenteil: Wir bewerten unsere Aktion als Erfolg. Der Extremismus der Mitte ist seit Jahren des Schweigens endlich breites Thema. Uns ist es gelungen, das endlich breit über den „Extremismus der Mitte“ an der Uni Rostock geredet wird. Eine Thematisierung eines Missstandes im Diskurs ist in unseren Augen nämlich der erste Schritt zur Veränderung (und genau deshalb reagiert die Uni ja auch mit einer Anzeige).

Abschließend möchten wir Ihnen noch mitteilen, dass wir es ganz schön befremdlich finden, dass sich der Initiator einer der führenden Initiativen gegen Rechts in Rostock nicht an Burschenschaftlern, Revisionisten und Rassisten in der Universität stört. Oder glauben Sie, dass nur Stiefelnazis ein Problem sind? Auf welchem gesellschaftstheoretischen Fundament basiert ihre Arbeit eigentlich? Etwa auf der Extremismustheorie?

Mit freundlichen Grüßen

Frank Schmidt

Am 19.11.2013 09:52, schrieb Torsten Sohn:
> Liebe Initiatoren der Aktion „Kritische Uni“,
> ich finde eure Aktion mehr als befremdlich, vorrangig aufgrund der Art und Weise und des fehlenden Willens zur inhaltlichen Auseinandersetzung MITEINANDER.
> Was ihr jetzt hier in den letzten Mails abliefert ist allerdings gradezu unterirdisch.
> Ihr prangert recht undifferenziert Leute an, zum Teil mit sehr konstruierten Thesen und beschwert euch, das mit euch keiner reden will? Zu recht!
> Ihr habt einfach keine Grund, euch zu beklagen.
> Nach meinen sehr begrenzten Informationen zu universitären Einrichtungen und Studierenden nimmt selbst dort das bislang auch nicht große Verständnis für eure Aktion weiter ab.
> Jeder Vorwurf von euch hätte mit der Uni und den Studierenden GEMEINSAM geprüft werden sollen, da geben ich euch recht.
> Aber so wie ihr es gemacht habt, und es scheinbar weiter versucht, habt ihr es vergeigt!
> Bitte, sendet uns keine weiteren Mails mehr und nehmt uns aus dem Verteiler!
> Herzlichst!
>
> Torsten Sohn
> Geschäftsstellenleiter Bunt statt braun e.V.
>
> ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
> Bürgerinitiative Bunt statt braun e.V.
> Geschäftsstelle Lange Str. 9
> 18055 Rostock
> Tel.: 0381 / 252 35 61/63
> Fax: 0381 / 252 35 62
>
> eMail: post@buntstattbraun.de
> Web: www.buntstattbraun.de
>
> Das Rostocker Ehrenamtsportal ist online.
> Ein Projekt der Bürgerinitiative Bunt statt braun e.V..