Die Friedensklausel und Konsequenz

Eigentlich ist der Fall klar: In ihrer Grundordnung regelt die Universität Rostock, dass sie aus ethisch-moralischen Gründen sich der Friedensforschung verpflichtet und jegliche Forschung im Rüstungsbereich ablehnt. Die sogenannte Friedensklausel hört sich gut an, aber was im demokratischen Herrschaftsregime nette Zettel gegenüber der faktischen Macht wert sind, zeigt ein Beispiel aus der medizinischen Fakultät.

Militärkongress…
Am 10.10.2013 schrieb das Rostocker Friedensbündnis einen offenen Brief an die Uni-Leitung. In diesem Brief macht das Bündnis auf die in Rostock-Warnemünde stattfindenden Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP) aufmerksam. Dieser Verband der militärischen Sanitätsoffiziere befasst sich damit, dafür zu sorgen, dass SoldatInnen möglichst lange und im Fall der Fälle wieder schnell „einsatzbereit“ sind. Das dies wenig mit Menschlichkeit oder Sorge um die Verletzten der Kriege zu tun hat, zeigt die zynisch-euphemistische Darstellung, die sich durch die Eigenwerbung des Verbandes zieht.

…mit Unterstützung aus der medizinischen Fakultät
Und ausgerechnet auf diesen Kongress zur Unterstützung von Kriegsführung hält laut Programm trotz Friedensklausel der Dekan der Medizinischen Fakultät , Prof. Dr. Emil Christian Reisinger ein Grußwort. Darüber hinaus fungiert dder Ärztliche Vorstand und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Rostock als einer der wissenschaftlichen Leiter des Kongresses. Er ist Mitglied der Jury für wissenschaftliche Beiträge in Form von Postern, die während des Kongresses in einer Ausstellung von Nachwuchswissenschaftlern präsentiert werden, und moderiert den Tagungspunkt „Einsatzrelevante Themen aus der Akutmedizin“.

Vereinbar?
Das Rostocker Friedensbündnis macht auf den offensichtlichen Widerspruch zur Friedensklausel mit einer Frage aufmerksam: „Inwiefern entspricht Ihrer Meinung nach die Zusammenarbeit von Universität Rostock und Deutscher Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie bei diesem Kongress der Zivilklausel in Paragraph 3 Punkt 5 der Grundordnung der Universität Rostock?“ Selbstverständlich hat sich keiner der Verantwortlichen bequemt, zu dieser Frage Stellung zu beziehen. Schließlich geht aus einer Kleinen Anfrage der Grünen im Bundestag vom 5. September 2013 hervor, dass die Universität Rostock im Haushaltsjahr 2013 114.000 Euro an Drittmitteln vom des Bundeskriegsministerium erhält.

Wer muss sich an Spielregeln halten?

Von einer derart lockeren und nutzerInnenfreundlichen Regelauslegung können leider Studierende, die z.B. Fristen versäumen, nur träumen. Im demokratischen Herrschaftsregime, von der die Uni ein teil darstellt, müssen sich also nur die Leute an Regeln halten, die nicht die faktische Macht haben, sie einfach zu übertreten. Wer hingegen wichtig ist, kann ihn oder sie störende Regeln getrost ignorieren. Dabei gehört es gerade zu den Stärken des demokratischen Regimes, durch geschicktes Blabla und nette Zettel denjenigen Leuten, die gerne an sowas wie „Demokratie“ und „Rechtstaatlichkeit“ glauben wollen, Sand in die Augen zu streunen und den Blick auf die auch im demokratischen Regime nach wie vor bestehende Herrschaft von Menschen über Menschen zu vernebeln.

Man muss es den hier erwähnten Profs fasst hoch anrechnen, dass sie mit ihrer schnodderigen „Ist mir doch egal“- Mentalität vielleicht zumindest einigen die Augen geöffnet haben.

Mehr Infos:

http://www.rostocker-friedensbuendnis.de/antimilitaristischer-blog/370

http://www.zivilklausel.de/index.php/2-uncategorised