Wir hören auf. Die Kritische Uni über einen Abschied und seine Gründe

Da stehen wir nun und müssen uns eingestehen, dass wir nicht mehr fähig sind, unserem Anspruch gerecht zu werden, das Ohr am Puls universitärer Entwicklungen, den Kopf in theoretischen Zusammenhängen und die Hände gleichzeitig auf der Tastatur zu haben, um Zustände an der Universität Rostock zu kritisieren.

Gestartet sind wir vor vier Jahren mit dem Anspruch, jenseits institutionalisierter studentischer Vertretung eine Stimme gegen unzumutbare Zustände der Universität zu bilden. Diese Zustände wollten wir stellvertretend für deutsche Zustände sichtbar machen, analysieren und bestenfalls durch den dadurch angestoßenen Diskurs aufbrechen. Sei es durch Flyeraktionen, Karikaturen oder offene Briefe – wir haben versucht, Themen dort zu platzieren, wo über sie gestolpert werden musste. Darüber hinaus haben wir auf dem Blog nicht nur theoretische Überlegungen teilen wollen, sondern auch Leseempfehlungen, Veranstaltungshinweise und deren Auswertungen.

Dies brachte uns im Laufe der Zeit nicht nur eine Anzeige durch die Universität und Ächtung von Seiten dieser ein, sondern auch reichlich Bundespresse und – nicht zu vergessen – die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht, von der wir heute noch stolz unseren Zimmerpflanzen erzählen.

Dadurch konnte den uns wichtigen Themen, wie der Kritik der Extremismus-Theorie, der Verletzung der Zivilklausel sowie der Involvierung von Geheimdiensten an der Universität Rostock, dem Verbindungs(un)wesen ebenso wie der identitären Bewegung Rostocks Gehör verschafft werden.

Dabei haben wir das uns Mögliche getan, um Zustände nebst Personalia an der Universität und darüber hinaus sichtbar zu machen. Dort, wo entsprechende Personen gegangen (wurden), wurde ihre Position durch weniger problematische Charaktere ausgefüllt, was – zumindest in der beabsichtigten Außenwirkung – eine Kursänderung der Uni anzeigt. Dort, wo unsere Verweise nicht wahrgenommen werden wollen, wäre es reine Sisyphos-Arbeit das Offensichtliche Semester für Semester erneut auf die politische Agenda zu hieven.

Über die Frage hinweg, wie sehr sich unsere Diskursmacht in diesen Belangen entfalten konnte, war doch klar: Wir wollten an uns wichtigen Themen dranbleiben und dabei so manchem*mancher unangenehm werden. Der nachhaltige Biss, der uns für diese Arbeit wichtig war, ist zu einem schnellen Herunterschlingen geworden – bei mangelnder Zeit für ein ausgiebiges Festmahl der Kritik. So bleibt uns nur noch einzugestehen, dass wir unsere Arbeit in dieser Form nicht fortführen können und wollen.

Wünschenswert ist, dass so manchen Uni-Wichtigmensch bei der Kunde unseres Auflösens Erleichterung durchströmen möge, dass nun ‚alles wieder gut‘ sei. Damit dieser Glaube durch andere, die sich dazu berufen fühlen mögen, zu Nestbeschmutzer*innen zu werden, enttäuscht werden kann.

Wir hören nicht auf, wir gehen weiter.
Die Kritische Uni

Offener Brief der Studierendengruppe der Universität Rostock „Kritische Uni“ an den Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Vorsitzenden der Landes CDU und MdL Lorenz Caffier

Rostock, den 23.08.2016

Sehr geehrter Hr. Innenminister,

wir möchten Ihnen von ganzem Herzen gratulieren, dass Sie es als Vorsitzender der CDU MV geschafft haben, die eigentlichen Anliegen Ihrer Partei wieder in den Vordergrund zu rücken. Mit großer Führungskraft ist es Ihnen gelungen, endlich wieder stramm rechtes Gedankengut zum Hauptthema ihrer Partei zu machen. (mehr…)

Kritik der Extremismustheorie – ein neuer Versuch

Von Zeit zu Zeit gucken wir über die älteren Artikel auf unserem Blog und prüfen, ob wir das, was wir so geschrieben haben, immernoch teilen können. So haben wir neulich unseren Text zur Extrsmismustheorie unter die Lupe genommen und finden, dass er einer Überarbeitung bedarf. Wir finden den Begriff “Extremismus” und das Konzept, dass sich dahinter verbirgt, nach wie vor schwierig, würden es mittlerweile aber anders begründen. Das soll in den folgenden Zeilen passieren.

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Schon wieder Greifswald

Im Anschluss um den Eklat der Einladung von NPD und AfD zu einer Podiumsdiskussion durch den AStA der Uni Greifswald erhitzten sich auch die Gemüter waschechter Demokraten.
Die AfD Vorpommern Greifswald drückte in einem Kommentar ihre Enttäuschung über die Beschneidung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung aus und bekam Rückendeckung von unverhoffter Seite.
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Und immer wieder Greifswald

Die Universität Greifswald hatte nicht nur in der Vergangenheit ein Problem mit ihrem reaktionären Auftreten und einer Unipolitik, die menschenverachtendes Gedankengut eher beförderte, als es zu unterbinden. Dem entgegen standen häufig Student*innen der Universität. Aktuell sorgte allerdings der AStA für einen Eklat, indem er zu einer Podiumsdiskussion NPD und AFD einlud. Im Zentrum dieses Entschlusses steht ein Verständnis von Demokratie, das gefährlicher nicht sein könnte. (mehr…)

Demmin – Ein Opfermythos der Straße und der Wissenschaft

Die Suizide von Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges sind ein politisch umkämpftes Thema. Demmin ist dabei Austragungsort einer aktiven Täter-Opfer-Umkehr, die sowohl auf der Straße, als auch in der Wissenschaft stattfindet. In letzterer spielt auch ein Dozent vom Historischen Institut der Uni Rostock eine Rolle.
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KKK7: „Über die Unfähigkeit, sich auszudrücken“

Zu unserem letzten Eintrag („Die Geschichte als Kreis“) tauchte ein Kommentar auf, den wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Er wurde anonym verfasst. Möchte sich da etwa jemand dem demokratischen Diskurs entziehen?
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Die Geschichte als Kreis. Über Flurtalk, alte Bekannte und die Unfähigkeit zur Reflexion

Ein Geraune streift durch die Flure der Universität – nicht mutig genug, es offen auszusprechen: Egon Flaig gibt eine Lehrveranstaltung zu seiner berühmt-berüchtigten Rede zur Inklusion von 2012. Keine Bewerbungsmail, keine Flyer, kein Verweis auf der Seite der Uni Rostock, kein veröffentlichtes Datum: Teilnahme wohl nur nach Einladung – so erklären sich die verhaltenen Reaktionen. (mehr…)

Deutschlands reine Hände – von der Kleiderkammer bis zur Bundespolitik

Es ist November – und wie gewöhnlich wird es da deutscher in Kaltland. Dublin III wird für Geflüchtete aus Syrien wieder in Kraft gesetzt und ein riesiges Schauspiel begleitete die Diskussion um die Transitzonen, bei der jetzt wirklich alle gewonnen haben – und es ging schließlich auch nur um die „Wirtschaftsflüchtlinge“. Ein gefühlt riesiger Teil der deutschen Bevölkerung mauserte sich in letzter Zeit zu profilierten Antirassist*innen und trotzdem steigt niemand auf die Barrikaden. Was ist da los? Kritische Uni legt kurz das Brötchenmesser aus der Hand … und wundert sich. (mehr…)

Völkische Popkultur – Identitäre Bewegung an der Uni Rostock Teil II

Unter der Überschrift “Grenzen hoch und Schotten Dicht” hetzt in letzter Zeit die neurechte “Identitäre Bewegung” in Rostock gegen Geflüchtete und andere Menschen, die nicht in ihr ethnopluralistisches Weltbild passen. Ihre menschenverachtende Ideologie versucht sie dabei mit modernen Aktionsformen unter die Leute zu bringen. Der zweite Teil befasst sich mit neu-rechter Ideologie, Antisemitismus, Aktionsformen und Akteuren.
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